Weiblicher Zyklus im Business: Dein Rhythmus ist deine Stärke
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Es gibt diesen Montag, an dem alles leicht geht. Du schreibst das Angebot in zwanzig Minuten, telefonierst mit drei Kundinnen, und abends hast du noch Lust auf Socialising. Und es gibt diesen anderen Montag, zwei Wochen später, an dem dieselbe To-do-Liste wie eine Wand vor dir steht.
Die meisten von uns erklären sich das mit Disziplin. Oder mit Schlaf. Oder damit, dass man sich eben zusammenreißen muss. Wir planen unsere Wochen, als wäre jeder Tag derselbe – und wundern uns, dass das nicht aufgeht.
Iris Jansen, Yogalehrerin, Körpertherapeutin und Gründerin von THE FEMALE HUB, schaut anders darauf. Seit über zwanzig Jahren begleitet sie Frauen dabei, ihren Körper nicht als Hindernis zu sehen, sondern als Quelle von Orientierung. Im Podcast-Gespräch sprechen wir darüber, wie wir die Kraft des Zyklus für uns nutzen können.
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Inhaltsverzeichnis
» Das lineare Prinzip – und was es uns kostet
» Die vier inneren Jahreszeiten
» Zykluswissen integrieren
» Wenn sich der Rhythmus nicht planen lässt
» Führung, die Rhythmus nicht als Schwäche liest
Das lineare Prinzip – und was es uns kostet
Unsere Arbeitswelt ist auf eine stille Annahme gebaut: dass Leistung gleichmäßig abrufbar ist. Jeden Tag dasselbe Pensum, dieselbe Energie, dieselbe Verfügbarkeit. Wer das nicht liefert, hat ein Problem.
Iris beschreibt, wie dieses Prinzip von außen an Frauen herangetragen wird – und wie wir es irgendwann selbst übernehmen. Durch die Emanzipation sei es sogar noch verschärft worden: Jetzt wird nicht nur das eine erwartet, sondern zusätzlich das, was vorher schon da war. Wir hetzen hinterher, um allen gerecht zu werden, und entfernen uns dabei von etwas, das die ganze Zeit in uns angelegt war.
Für Selbstständige hat das eine besondere Pointe. Wir haben die Freiheit, unseren Tag zu gestalten – und bauen uns oft trotzdem eine Struktur, die nach Konzernlogik funktioniert. Fünf gleich produktive Tage pro Woche, durchgetaktet. Die Frage ist nicht, ob wir das können. Die Frage ist, was es uns kostet.
Die vier inneren Jahreszeiten
Iris beschreibt den Zyklus als vier innere Jahreszeiten – ein Bild, das ohne Fachsprache auskommt und sofort anschlussfähig ist.
Nach der Menstruation beginnt der innere Frühling. Die Energie bewegt sich langsam wieder nach oben, erst zart, noch nicht sichtbar – wie Knospen unter der Erde. Eine Phase für Strategie, für neue Ziele, für das Entwickeln von Ideen. Iris betont, dass viele Frauen hier sofort durchstarten wollen, weil die Menstruation vorbei ist, und rät zu mehr Behutsamkeit: nicht alles auf einen Tag legen, sondern nach und nach in die Kraft kommen.
Um den Eisprung herum folgt der Sommer – kurz, oft nur ein, zwei Tage. Strahlkraft, Überzeugungskraft, Lust am Geben. Die Phase für den Vortrag, die Bühne, das Launch-Event, das Kundengespräch, das etwas bewegen soll.
Dann der Herbst. Die Energie sinkt, sie richtet sich nach innen, die Emotionen werden intensiver. Genau das, was wir gewohnheitsmäßig als PMS abtun. Iris mag dieses Wort nicht – ihrer Erfahrung nach liegt in dieser Phase eine eigene Klarheit. Es ist die Zeit zum Aussortieren: Was passt noch? Was darf gehen? Wer schon einmal in dieser Phase ein Angebot überarbeitet oder eine Zusammenarbeit beendet hat, weiß, wie unbestechlich dieser Blick sein kann.
Und schließlich der Winter, die Menstruation. Rückzug, Stille, Nähe zur eigenen Intuition. Iris beschreibt diese Phase als die, in der wir unserem inneren Wissen am nächsten sind – wenn wir ihr Raum geben.
Zykluswissen integrieren
Das klingt nach großer Umstellung. Ist es nicht. Iris sagt, es beginne mit etwas viel Einfacherem: der Bewusstwerdung. Denn die meisten Frauen wissen gar nicht, wo sie gerade in ihrem Zyklus stehen.
Genau dafür hat sie gemeinsam mit einer Partnerin eine Zyklusuhr entwickelt – eine, bei der man den Zeiger bewusst immer wieder selbst umstellen kann. Es muss aber keine bestimmte sein. Es gibt verschiedene Modelle, manche sogar zum Selberbasteln. Entscheidend ist nur, dass du in der Verbindung bleibst: dass du morgens beim Aufstehen weißt, in welcher Phase du gerade bist.
Was dann folgt, geschieht fast von allein. Du beginnst zu beobachten, was dir in welcher Phase guttut und was nicht. Du bemerkst, dass es oft nur kleine Stellschrauben sind, die etwas verändern. Und je länger du so hinschaust, desto weniger brauchst du das Hilfsmittel. Iris beschreibt, dass sie inzwischen einen Tag genau kennt – den, an dem für sie eine neue Phase beginnt. Das Bewusstsein wird nach und nach stärker, bis du die Signale deines Körpers liest, ohne nachsehen zu müssen.
Erst dann kommt der Kalender dazu. Iris trägt ihre Phasen ein und sieht auf einen Blick, wohin sie welche Termine legt. Nicht als starres Regelwerk, sondern als Entscheidungshilfe: Welcher Art ist dieser Termin? Was fordert er von mir? Und gibt es einen besseren Platz dafür?
Bleibt die Frage, die jede Selbstständige kennt: Was, wenn sich der Termin nicht verschieben lässt? Iris’ Antwort ist nicht, dann eben durchzuhalten. Sie hat für sich erkannt, dass sie in solchen Momenten anders arbeitet – mit der Qualität der jeweiligen Zyklusphase. Während der Periode z.B. weniger aus dem Konzept heraus, stärker aus dem Moment. Das ist der eigentliche Gewinn von zyklischem Bewusstsein im Business: nicht weniger zu können, sondern zu wissen, auf welche Stärke du heute zugreifst.
Wenn sich der Rhythmus nicht planen lässt
Was ist mit unregelmäßigen Zyklen? Mit der Zeit nach den Wechseljahren? Hier wird Iris besonders deutlich: Der Zyklus sei keine Kopfsache. Gerade Frauen mit unregelmäßigem Rhythmus seien oft die, die alles durchstrukturiert haben wollen – und ausgerechnet der Körper macht das nicht mit.
Ihre Einladung lautet, die Planbarkeit loszulassen und stattdessen beobachten zu lernen. Was passiert gerade? Wonach ist mir? Was brauche ich heute? Das ist weniger messbar als eine App – und tragfähiger, weil es auch dann funktioniert, wenn sich nichts berechnen lässt. Der Rhythmus-Gedanke bleibt gültig, auch wenn der Zyklus selbst es nicht mehr ist.
Ayurvedisch gedacht ist das kein Sonderfall, sondern das Prinzip selbst: im Einklang mit der Natur zu leben, der äußeren wie der eigenen. Der Tag hat seine Qualitäten, das Jahr hat seine, ein Leben hat seine. Dass das für Frauen auch im Monatsrhythmus gilt, ist nur eine weitere Ebene derselben Logik.
Führung, die Rhythmus nicht als Schwäche liest
Hier wird es gesellschaftlich. Denn auf den ersten Blick scheint zyklisches Wissen der Forderung nach mehr Frauen in Führung zu widersprechen.
Iris löst diesen scheinbaren Widerspruch auf. Es gehe nicht darum, die besseren Männer zu sein oder es genauso zu machen. Frauen könnten Führungspositionen einnehmen – und sie auf ihre Art ausfüllen, aus dem eigenen Rhythmus heraus. Ihre Erfahrung aus dem Collective von neun Frauen hinter THE FEMALE HUB: Es ist immer jemand in einer anderen Phase. Also gleicht sich aus, was sich ausgleichen lässt. Wer gerade Kraft hat, nimmt etwas ab. Nächsten Monat ist es umgekehrt.
Und sie formuliert den entscheidenden Punkt wirtschaftlich: Wenn du Frauen in jeder Phase gleich viel abverlangst, kommen sie nie in ihr volles Potenzial. Wenn du ihnen den Rhythmus lässt, geben sie dort hundert Prozent, wo sie hundert Prozent geben können.
Das ist kein Nachteilsausgleich. Das ist bessere Ressourcenplanung.
Mehr von Iris Jansen
THE FEMALE HUB, das digitale Frauenmagazin mit monatlich wechselnden Themen, Live Sessions, Mediathek und Events: www.thefemalehub.de. Ihr vierwöchiger Online-Kurs IN MY RHYTHM: www.thefemalehub.de/in-my-rhythm-online-kurs-zyklus
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