Stress macht nicht krank. Stress, der nicht abgebaut wird, schon.

„Adrenalin ist Kampf ums Überleben. Das heißt, ich schaue weder nach links, noch schaue ich nach rechts. Unter Adrenalin verschwindet auch das Mitgefühl.“ Dr. Mirja Effing

Gedanken zum Podcast Interview mit Dr. Mirja Effing.

Dr. Mirja Effing ist Fachärztin für Allgemein- und Funktionelle Medizin – und sie hat damit in einem Satz beschrieben, was viele von uns im Alltag spüren, aber selten so klar benennen: Dauerstress verändert nicht nur den Körper. Er verändert, wie wir wahrnehmen, entscheiden und führen.

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Guter Stress existiert wirklich

Es gibt eine Unterscheidung, die ich vorher so nicht kannte: die biochemische Kaskade unserer Stresshormone.

Zuerst entsteht Dopamin. Das ist der Zustand, den du kennst, wenn etwas zwar anspruchsvoll ist, aber sich richtig anfühlt. Du arbeitest lange, du bist im Fluss, du bist bei dir. Dopamin. Kein Problem.

Dopamin wird aber immer danach abgebaut – zu Noradrenalin, dann zu Adrenalin. Und da beginnt der Unterschied.

Adrenalin war in der Steinzeit lebensrettend. Es gibt dir absolute Klarheit. Volle Fokus. Kräfte, die du dir vorher nicht vorstellen konntest. Aber: Adrenalin ist für den Säbelzahntiger. Es ist nicht für die sitzende Arbeit am Schreibtisch und nicht für dauerhafte Entscheidungen und Führung. Und das ist das Problem vieler von uns.

Wir sitzen – und das Adrenalin bleibt

Genetisch war Stress immer an Bewegung gekoppelt. Stress bedeutete: Laufen. Kämpfen. Bewegen. Der Körper baute die Hormone ab – durch die Muskeln, durch die Erschöpfung danach.

Heute sitzt du im Büro. Der Druck ist real, die Hormone entstehen genauso – aber du bewegst dich nicht. Sie bauen sich nicht ab. Am Abend trinkst du vielleicht ein Glas Wein, um runterzukommen. Morgens einen Kaffee, um wieder zu funktionieren. Und dann weiter.

Mirja nennt das treffend: die Sympathikus-Narkose.

Das vegetative Nervensystem bleibt im Kampfmodus. Und was dabei passiert, ist medizinisch klar: Blutdruckanstieg, schlechtere Verdauung, Schlafprobleme, Muskelverspannungen, chronische stille Entzündungen – das metabolische Syndrom in seiner Entstehung.

Was das mit deinem Business zu tun hat

Unter Adrenalin triffst du andere Entscheidungen.

Das weiß ich aus eigener Erfahrung. In Phasen, in denen es mir nicht gut ging, in denen der Druck hoch war, habe ich Entscheidungen getroffen, die im Nachhinein nicht stimmten. Nicht weil ich dumm war, sondern weil ich unter Adrenalin gehandelt habe – nicht aus Klarheit, sondern aus Angst.

Und das ist kein Zufall. Es ist Biochemie.

Mirja sagt es so: „Unter Adrenalin schaue ich weder nach links noch nach rechts. Das Mitgefühl verschwindet. Die Fähigkeit zu sehen, was andere brauchen wird eingeschränkt.“

Unternehmer unter permanentem Adrenalin sind weniger präsent. Weniger anziehend. Weniger sie selbst.

Deine Energie ist nicht verhandelbar

Das, was Dr. Mirja Effing aus medizinischer Sicht beschreibt, bestätigt, was ich mit Ayurveda und in meiner Arbeit mit Unternehmer:innen immer wieder erlebe: Energie ist kein optionales Feelgood-Thema. Sie ist die Basis für alles.

Nicht die Strategie entscheidet darüber, ob dein Marketing wirkt. Die Energie, aus der heraus du kommunizierst ist viel entscheidender. Und diese Energie ist direkt abhängig davon, wie dein Nervensystem gerade aufgestellt ist.

Was hilft? Mirja nennt es klar: Bewegung ist für manche Menschen biochemisch nicht optional, sondern lebensnotwendig zur Stressregulation. Atemübungen, die den Parasympathikus aktivieren. Und – das hat sie aus ihrer eigenen Erfahrung ergänzt – regelmäßige Ayurveda-Kuren als echtes Detox und Reset.

Ein Leben im Einklang mit dem, was zu dir passt

Auf die Frage, was ihrer Ansicht nach das Wichtigste sei, um gesund zu bleiben, hat Mirja nicht gesagt: weniger Stress.

Sie hat gesagt: „Ein Leben finden, das im Einklang mit meiner Natur steht.“

Das ist vielleicht das Treffendste, was ich seit Langem gehört habe. Nicht pauschale Entschleunigung. Sondern das Wissen, wie du bist – und ein Alltag, der das nicht dauerhaft ignoriert.

Für manche bedeutet das mehr Bewegung. Für andere mehr Stille. Für wieder andere: ein Angebot, das sich nicht wie Gegenwind anfühlt, sondern wie Rückenwind.

Das Gespräch mit Dr. Miriam Effing findest du in der aktuellen Podcast-Episode. Den Link zu ihrer Arbeit und ihrem Buch für Therapeuten habe ich dir in den Shownotes verlinkt.

Was Ayurveda konkret gegen Stress empfiehlt

Welche Methoden es gibt und wie die drei Doshas auf Stress reagieren – habe ich in einem eigenen Artikel zusammengefasst: Ayurveda Stress Management – Welche Methoden Ayurveda gegen Stress bietet