Der Übergang vom Funktionieren zum Führen
Dieser Artikel ist aus einem Gespräch entstanden, das auf den ersten Blick weder Ayurveda noch Business ist. Und trotzdem hat es mitten in beides getroffen.
Lukas May vom ManKind Project spricht über Männerarbeit – über Initiation, Schattenarbeit, radikale Eigenverantwortung. Auf den ersten Blick kein typisches Thema für meinen Podcast, aber was Lukas beschreibt: dieses stille Verlorengehen im Funktionieren, das Abhaken, das Weitermachen ohne wirklich verbunden zu sein – das kenne ich aus meiner Arbeit mit Unternehmer:innen genauso.
Ein Business, das reagiert, sieht aus wie ein Business, das führt. Von außen ist kaum ein Unterschied erkennbar. Beide arbeiten. Beide liefern. Aber die Energie darunter ist eine andere. Und genau diese Energie – die, die man nicht sieht, aber spürt – ist das, was im Marketing ankommt oder nicht.
Abgesehen davon möchte ich eine Empfehlung aussprechen für die Arbeit, die das Mankind Project als gemeinnütziger Verein macht! Ich bin wirklich beeindruckt und begeistert von dem, was sie in die Welt bringen. Am Ende der Seite findest du Links zum Mankind Project. Viel Freude beim Hören der Episode!
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Gedanken zur Podcast-Episode #69 mit Lukas May vom ManKind Project. Diese Episode entstand im Rahmen des Podcasthon – einer Initiative, die Non-Profit-Organisationen eine Bühne gibt.
Der Moment, in dem du aufhörst zu funktionieren
Es gibt einen Punkt im Unternehmertum, den viele kennen – aber wenige benennen.
Du arbeitest, lieferst, setzt um. Und trotzdem stimmt irgendetwas nicht. Das Business läuft, aber es trägt nicht wirklich. Entscheidungen fühlen sich zäh an. Die Energie reicht nicht ganz bis ans Ende des Tages. Du erkennst Muster – in deinen Kunden, in deinen Reaktionen, in dem, was du immer wieder erlebst.
Was dann oft passiert: Man optimiert das Marketing. Sucht nach der besseren Strategie. Überlegt, ob der Kanal falsch ist, ob die Botschaft klar genug ist, ob der Preis stimmt.
Das ist nicht falsch. Aber es greift nicht tief genug. Denn was sich in diesen Momenten zeigt, ist selten ein Marketing-Problem.
Was Verantwortung bedeuten kann
Es gibt eine bestimmte Art, ein Business zu führen, die sich anstrengend anfühlt – obwohl alles nach außen funktioniert.
Man tut, was getan werden muss. Man reagiert auf das, was kommt. Man trägt Verantwortung im formalen Sinne – für Kunden, für Deadlines, für Ergebnisse. Aber die Entscheidungen kommen nicht aus der Mitte. Sie kommen aus dem Druck. Aus dem, was erwartet wird. Aus der Angst, etwas falsch zu machen.
Lukas, Mitglied beim ManKind Project – einer gemeinnützigen Organisation, die Männern dabei hilft, radikale Eigenverantwortung zu entwickeln – beschreibt diesen Zustand sehr präzise: Man funktioniert. Man erfüllt Rollen. Aber man ist nicht wirklich verbunden mit dem, was man tut.
Das ist keine Frage des Geschlechts. Das ist eine menschliche Grundkonstante.
Wer aus Angst entscheidet, entscheidet nicht wirklich. Wer reagiert statt führt, hat die Steuerung abgegeben. Nicht an jemand anderen – sondern an die Umstände, oder den inneren Druck, den unbearbeitete Muster und Schattenthemen auf uns ausüben.
Und das Business spiegelt das zurück. Immer.
Der Unterschied zwischen Funktionieren und Wirken / zwischen Reagieren und Führen
Ein Business, das reagiert, sieht aus wie ein Business, das führt. Von außen ist kaum ein Unterschied erkennbar. Beide arbeiten. Beide liefern. Aber die Energie darunter ist eine andere.
Wer reagiert, folgt dem Zug der Ereignisse. Die nächste Anfrage bestimmt die Richtung. Der Kommentar eines Kunden entscheidet über den nächsten Content. Die Auftragslage bestimmt, wie man über sich denkt.
Wer führt – sich selbst und das Business – kommt von einem anderen Ausgangspunkt. Nicht von Stärke im Sinne von Unverwundbarkeit. Sondern von Klarheit. Über das, was man tut und warum. Über die Grenzen, die man zieht und die, die man lässt. Über die Entscheidungen, die man auch dann trifft, wenn die Umstände dagegen sprechen.
Diese Klarheit entsteht nicht durch Strategie. Sie entsteht durch die Bereitschaft, ehrlich hinzuschauen. Auf die eigenen Muster. Auf die Momente, in denen man ausweicht. Auf die Dinge, die man schon lange weiß – aber noch nicht wirklich angenommen hat.
Lukas beschreibt es im Interview so: Irgendwann merkst du, dass du dich selbst verloren hast. Nicht dramatisch. Einfach still. Weil du funktioniert hast – für andere, für Erwartungen, für Rollen. Und irgendwann fragst du dich: Wo bin ich dabei? Das ist der Moment, der alles verändern kann.
Was das mit Marketing zu tun hat
Wer im eigenen Business nicht wirklich führt – wer reagiert, ausweicht, aus Angst entscheidet – der zeigt das auch nach außen. Nicht absichtlich. Aber die Energie einer Kommunikation ist spürbar, lange bevor jemand die Worte intellektuell bewertet.
Ein Text, der aus Druck entstand, klingt anders als einer, der aus Klarheit kommt. Ein Angebot, das man selbst nicht wirklich trägt, zieht andere an – aber nicht die richtigen. Eine Positionierung, die aus Angst gebaut wurde, hält nicht.
Wenn das Innen und das Außen auseinanderfallen, spüren Menschen das. Sie können es vielleicht nicht benennen. Aber sie reagieren darauf – mit Zögern, mit Preisverhandlungen, mit der Frage, ob sie wirklich richtig sind bei dir.
Die Arbeit an der eigenen Verantwortung, an der eigenen Klarheit, an dem Übergang von Reaktion zu Führung – das ist keine persönliche Entwicklungsarbeit, die neben dem Business läuft. Das ist die Grundlage deines Business.
Der Wendepunkt
Es gibt diesen Moment, den Lukas beschreibt – als er sich entschieden hat hinzuschauen. Nicht weil alles schlecht war. Sondern weil er wusste, dass da noch etwas ist, das er noch nicht wirklich angenommen hat. Dieser Moment ist kein einmaliges Ereignis. Er wiederholt sich, im Privatleben und im Unternehmeralltag – in jeder neuen Stufe der Verantwortung.
Wer aufhört zu funktionieren – in dem Sinne, dass er beginnt, wirklich zu führen – trifft klarere Entscheidungen. Nicht perfektere. Klarere. Er kennt die eigenen Muster. Er sieht, wann er ausweicht. Er hält sich selbst verantwortlich – nicht weil er muss, sondern weil er versteht, was sonst passiert. Das Business verändert sich dadurch. Nicht durch bessere Strategien. Sondern weil die Person dahinter eine andere wird.
Das vollständige Gespräch mit Lukas vom ManKind Project – über Initiation, Schattenarbeit und reife Männlichkeit – gibt es in der aktuellen Episode des Podcasts „Verstehe Ayurveda. Verstehe Dich.“
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Mehr über das ManKind Project – Termine, Integrationsgruppen und das New Warrior Training Adventure – findest du auf www.mkp-deutschland.de (Deutschland) undd www.mkpaustria.at (Österreich).
Wenn dich diese Themen berühren und du tiefer einsteigen möchtest – in deine eigene Klarheit, in dein Business, in das, was von dir wirklich nach außen sichtbar wird – dann meld dich für meinen „Business aus deiner Urnatur“ Newsletter an. Hier geht’s zur Anmeldung.






Ingrid Hilmer