Warum dein Business zyklisch ist – und was du von den Rhythmen der Natur lernen kannst

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Es gibt diese Phasen, in denen du alles getan hast, was möglich war. Du hast angestoßen, gesät, nachgefragt, dich gezeigt. Und trotzdem: Es geht nichts weiter – kein Rückruf, keine Zusage, gefühlter Stillstand. In solchen Momenten meldet sich in vielen von uns fast reflexartig eine Stimme: Ich müsste mehr tun. Mehr posten, mehr pushen, noch eine Idee, noch ein Anlauf.

Aber genau hier lohnt es sich innezuhalten und sich ein Scheibchen Weisheit bei der Natur abzuschneiden. Denn die Natur kennt diese Ungeduld nicht. Sie zieht nicht am Gras, damit es schneller wächst. Sie lässt reifen. In meiner aktuellen Podcast-Folge spreche ich mit Veronika Victoria Lamprecht, Gründerin der Gaia-Akademie, über genau diese Frage: Wie sähe es aus, unser Leben und unser Business nicht gegen die natürlichen Zyklen zu führen, sondern mit ihnen? Das Gespräch hat mich selbst tief berührt – weil es etwas entlastet, das viele Selbstständige – mich eingeschlossen – mit sich tragen.

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Inhalt

» Das lineare Wirtschaften bringt uns an die Grenze
» Warum der gesamte Zyklus wichtig ist – nicht nur der Frühling 
» Wenn nichts weitergeht: Reifen ist keine Untätigkeit
» Dranbleiben oder loslassen? Wie du den Unterschied spürst
» Was nicht zur Reife kam, wird zum Dünger
» Die aktuelle Zeitqualität im August: der Ernteschnitt

Das lineare Wirtschaften bringt uns an die Grenze

Immer höher, immer schneller, immer weiter. Dieses Versprechen kennst du. Es steckt in (fast) jedem Businessplan. Diese Art über Business zu denken haben wir so verinnerlicht, dass Stillstand sich wie Versagen anfühlt. Doch dieses lineare Denken hat einen Preis. Veronika sagt es bringt uns genau dorthin, wo viele gerade stehen: an das Ende unserer Ressourcen. Die Erschöpfung nimmt zu, gerade auf der Ebene der Führungskräfte, das Gleiche geschieht im Großen, mit den Ressourcen der Natur selbst. Der Grund ist im Kern derselbe: Wir beachten nur das erste Drittel des Zyklus. Inspirieren, aufbauen, wachsen lassen, zum Höhepunkt bringen – und dann gleich zum nächsten Höhepunkt. Was fehlt, ist alles danach: das Reifen, das Ernten, das Innehalten und auch das würdevolle Sterbenlassen von dem, was sich erfüllt oder nicht erfüllt hat.

Ein Zyklus, der nur aus Frühling besteht, kann sich nicht erneuern.

 

Der ganze Zyklus – nicht nur der Frühling

Im Gaia-Prinzip beschreibt Veronika acht Qualitäten der Natur, die innerhalb eines Jahres auf uns wirken – von der Regeneration und dem Innehalten über die Vision und den Wachstumsbeginn bis zu Wachstumshöhepunkt, Reifen, Ernteschnitt und Erntedank. Man muss sie nicht alle auswendig kennen. Entscheidend ist das Prinzip dahinter: Nur wenn ein Zyklus vollständig durchlaufen wird, kann sich etwas in seinem vollen Potenzial entfalten. Das gilt für ein Projekt genauso wie für ein Unternehmen, für einen Prozess wie für einen Menschen. Und es gilt unabhängig von der Kalenderlänge. Nicht jedes Vorhaben folgt einem Zwölf-Monats-Rhythmus – manche Zyklen dauern Wochen, andere Jahre. Die Natur gibt uns dabei keine starre Vorschrift, sondern eine Art Blueprint: einen Schöpfungsprozess, der sich seit Milliarden Jahren bewährt hat. Wer beginnt, sich stärker an diesen Rhythmen zu orientieren, stellt irgendwann eine einfache, klärende Frage: In welcher Phase steht mein Projekt gerade? Allein diese Frage verändert den Blick – weg vom Dauerdruck, hin zu einem Gespür dafür, was jetzt an der Zeit ist.

Wenn nichts weitergeht: Reifen ist keine Untätigkeit

Es gibt im Naturzyklus eine Phase, die sich besonders schwer aushalten lässt: das Reifen. Die Blüten sind zu Früchten geworden, aber sie sind noch nicht so weit. Von außen sieht es aus, als geschähe nichts. Und genau das macht es anstrengend. Als Unternehmer:innen macht sich in dieser Phase häufig Unsicherheit breit: Geht es jetzt darum, mehr Energie zu investieren – oder loszulassen? Veronikas Bild dafür bleibt hängen: „Das Gras wächst nicht schneller, wenn ich daran ziehe. Und wenn ich es immer nur dünge, dann wird der Boden kaputt.“ Reifen ist also keine Untätigkeit. Es ist eine wache Form des Wartens. Sie erzählt von einer Selbstständigen, die im Frühsommer viele Projekte angestoßen hatte und dann erlebte, dass einfach nichts vorwärtsging. Erst als sie erkannte, in welcher Phase sie sich befand, wurde klar: An ihrer Seite war alles getan. Nicht mehr tun war die Antwort, sondern Zeit geben und wach bleiben.

Dranbleiben oder loslassen? Wie du den Unterschied spürst

Bleibt die schwierigste Frage: Woran erkenne ich, ob es Zeit ist, dranzubleiben – oder ob ich loslassen darf? Hier kann ein Blick auf die drei Mahagunas des Ayurveda hilfreich sein, die drei großen geistigen Qualitäten, die in uns wirken. Da ist Rajas – der Antrieb, die Leidenschaft, die Motivation, aber auch das „unbedingt haben wollen“ mit all seinen Schattenseiten. Und da ist Tamas – die Dumpfheit, die Leere, die Schwere, die etwa jede Nacht in uns aktiv wird. Wenn ich mich immer weiter anstrenge, ohne dass etwas zurückkommt, dann treibt mich meist Rajas. Was uns aus diesem Hin und Her zwischen Getriebensein und Erstarrung herausführt, ist Sattva: die Klarheit, die erkennt, was es gerade wirklich braucht. Diese Klarheit lässt sich nicht erzwingen, aber sie lässt sich üben (mehr dazu in der Folge „Wie Sattva uns zu besseren Entscheidungen führt“

Veronika nennt drei Wege, die uns helfen können in dieser Frage zu unterscheiden, ob Dranbleiben oder Loslassen ansteht. Der erste ist die Intuition selbst – ein Muskel, der stärker wird, je öfter wir ihm vertrauen, gerne zuerst bei kleinen Dingen. Der zweite ist der Körper: Beim Atemtest verbindest du dich nacheinander mit zwei möglichen Wegen und beobachtest deinen Atem. Dort, wo er tiefer und entspannter wird, liegt mit großer Wahrscheinlichkeit deine Antwort. Der dritte Weg führt nach außen – ins Gespräch mit vertrauten, wohlwollenden Menschen. Oft wird eine Frage schon dadurch klarer, dass wir sie aussprechen.

Was nicht zur Reife kam, wird zum Dünger

Vielleicht ist dies der tröstlichste Gedanke des ganzen Gesprächs. Denn nicht alles, was wir säen, geht auf. Manche Projekte reifen nicht, manche Angebote werden nicht angenommen, manche Wege enden anders als geplant. Das erzeugt Frustration und Enttäuschung – Gefühle, die willkommen sein dürfen, statt weggeschoben zu werden. Und dann kommt Veronikas Naturbild dazu: Was nicht so geworden ist, wie du es dir vorgestellt hast, ist wie ein nicht reif gewordener Apfel am Baum. Es ist wichtig, ihn trotzdem zu pflücken – um das Feld wieder frei zu machen. Auf den Kompost gegeben, wird er zum Dünger für etwas Neues. Im Naturbild geht nichts verloren. Dein Einsatz war nie umsonst, auch wenn die Frucht nicht reif wurde. Wichtig ist nur, dass du hinschaust: Was habe ich gelernt? Was hätte es gebraucht? Wofür bin ich dankbar? Aus diesen Reflexionsfragen entsteht ein guter Abschluss – und die Erfahrung selbst wird zum Schatz, der dem nächsten Zyklus als Ressource zur Verfügung steht.

Die aktuelle Zeitqualität im Hochsommer: der Ernteschnitt

Während diese Folge erscheint, stehen wir mitten in einer bestimmten Zeitqualität: dem Ernteschnitt, der von Anfang August bis Mitte September reicht. Es ist die Zeit, wahrzunehmen, welche deiner Früchte tatsächlich gereift sind – und sie bewusst anzunehmen. Nicht als Selbstverständlichkeit, sondern als etwas, das dir auch geschenkt wurde. Denn dass ein Projekt gedeiht, hängt an vielem, das du nur bedingt beeinflussen kannst. Zugleich ist es die Zeit, das Feld zu klären: zu ernten, was reif ist, und das loszulassen, was es nicht wurde. Und schließlich, mit der Herbst-Tagundnachtgleiche, führt der Weg in den Erntedank – in die Frage, wofür du dankbar sein kannst. Es gibt fast immer etwas. Veronika erzählt von einer Übung, in der Teilnehmende zwei Spalten führen: „Wofür bin ich dankbar?“ und „Was ist schwierig?“ Am Ende war die Dankbarkeits-Spalte fast immer die längere – obwohl vorher das Schwierige den ganzen Raum eingenommen hatte. Vielleicht ist genau das der erste Schritt zurück in deinen eigenen Rhythmus: nicht mehr zu tun, sondern die Entspannung zu erlauben. Zurückzublicken auf das, was gelungen ist. Und der Natur zuzuschauen, wie sie sich Monat für Monat wandelt – ganz ohne Eile. Wo in deinem Business willst du gerade anschieben, obwohl es eigentlich Zeit wäre, reifen zu lassen?

Wenn dich Veronikas Arbeit angesprochen hat:
Auf www.gaia-prinzip.com findest du die Gaia-Akademie, ihr Buch zum Gaia-Prinzip, die Gaia-Friends-Community sowie ihren Lehrgang „Weg der Königin“.