Ursula Feuerherdt

Keine Lust, dich zu zeigen? Was dahintersteckt, wenn Marketing sich anstrengend anfühlt

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Du sitzt am Schreibtisch. Der Laptop ist offen, der Plan für den Tag steht. Eigentlich wäre jetzt Marketing dran. Posten, Newsletter schreiben, dich zeigen. Und genau jetzt ist da nichts. Keine Lust, keine Energie, kein Zug nach vorne.

Die meisten von uns deuten das als Schwäche oder fehlende Disziplin. Als etwas, das man sich abtrainieren müsste. Doch diese Unlust ist selten Faulheit. Sie ist eine Botschaft – und es lohnt sich, ihr zuzuhören, statt sie zu überwinden.

In den letzten Wochen hat mich genau das selbst beschäftigt. Nach dem Schließen meiner Ayurveda-Schule und dem Schritt zurück ins Marketing habe ich nach der ersten Welle der Euphorie gemerkt: Da ist eine Unlust, mich zu zeigen. Und statt dagegen anzukämpfen, habe ich hingeschaut. Im Artikel erzähle ich, was ich dabei gefunden habe.

Inhalt

» Unlust ist nicht gleich Unlust
» Was du beeinflussen kannst – und was nicht
» Deine Energie ist die Basis für alles
» Konsistenz: wofür wirst du wahrgenommen?
» Mit deinen Rhythmen arbeiten, statt gegen sie
» Was wirklich hilft: Marketing-Logbuch, Planung und Routine

Unlust ist nicht gleich Unlust

Bevor du irgendetwas an deiner Unlust änderst, lohnt sich eine Unterscheidung. Denn Unlust kann zweierlei sein: ein Signal oder eine Gewohnheit.

Manchmal ist sie eine echte Botschaft deines Körpers. Zu wenig Energie, zu viel Ballast, mentale Erschöpfung. Dann sagt die Unlust: Hier stimmt etwas im System nicht. Manchmal weist sie auf eine Strategie hin, die einfach nicht trägt – du verfolgst etwas, das gar nicht erfolgreich ist, und etwas in dir bremst.

Und manchmal ist sie nur ein altes Muster. Ein vertrauter Widerstand davor, sichtbar zu werden. Viele von uns tragen die unbewusste Überzeugung in sich, dass Sichtbarkeit gefährlich ist. Ich kenne das aus eigener Erfahrung – früher konnte ich in Konflikten kein Wort herausbringen, musste Briefe schreiben, weil ich schlicht verstummt bin.

Der Unterschied ist entscheidend. Ein Signal will gehört werden. Ein Muster will überschritten werden. Wer beides verwechselt, kämpft an der falschen Front.

Was du beeinflussen kannst – und was nicht

Wie gut dein Business läuft und wie leicht dir das Sichtbarsein fällt, hängt von vielen Faktoren ab. Einige liegen in deiner Hand. Andere nicht – und es schafft enorme Ruhe, das klar zu trennen.

Nicht beeinflussbar ist die Marktlage. Wie steht der Markt gerade da, wie ist die Kaufkraft, wie viel Sicherheit brauchen Menschen aktuell, wie spontan entscheiden sie sich. All das prägt das Mindset deiner Kund:innen, ohne dass du daran etwas änderst. Genauso wenig in der Hand hast du das Unvorhergesehene: ein krankes Kind, ein Ereignis, das dich aus dem Rhythmus wirft.

Beeinflussbar dagegen sind die Dinge, die wirklich zählen: deine eigene Energie, die Klarheit deiner Botschaften und das Geschick in der Taktik. Genau dort lohnt sich deine Aufmerksamkeit – nicht beim Markt, den du nicht steuern kannst.

Deine Energie ist die Basis für alles

Für mich beginnt Erfolg bei der eigenen Energie. Wie stehe ich heute da – körperlich, mental? Wie klar bin ich? Wie viel Lust habe ich, nach vorne zu gehen? Wie viel Freude trage ich in meine Arbeit?

Denn diese innere Verfassung schwingt nach außen. Wer in guter Energie ist und Klarheit hat, trifft bessere Entscheidungen und wirkt anziehend. Ayurveda arbeitet hier mit Prana, der Lebensenergie – und es gibt viel darüber zu lernen, wie du dich in deiner besten Energie hältst.

Das ist kein esoterisches Beiwerk, sondern handfeste Business-Grundlage. Deine Energie entscheidet darüber, ob dein Marketing aus einem Mangel heraus entsteht oder aus Fülle. Und Menschen spüren den Unterschied.

Konsistenz: wofür wirst du wahrgenommen?

Der zweite Hebel sind deine Botschaften – und ihre Konsistenz. Erfolgreiche Unternehmen und Personal Brands sind für eine Sache bekannt. Fällt der Name, ist sofort klar, wofür sie stehen.

Genau das entsteht durch Wiederholung. Menschen lernen, wofür du stehst, indem sie es immer wieder im Zusammenhang mit dir hören. In meiner früheren Akademie war der Claim „Verstehe Ayurveda. Verstehe Dich.“ – und in den Feedbackbögen kam tatsächlich zurück: „Ich verstehe mich jetzt besser.“ Diese Worte waren passend und zugleich gelernt. Sie waren in den Mund gelegt, durch Konsistenz.

Wenn du dagegen zu früh über Detailthemen sprichst, verwässert dein Profil. Du bist nicht mehr mit deinem eigentlichen Thema verknüpft. Deshalb gilt: Alles, was du nach außen gibst, sollte auf das große Ganze einzahlen.

Dazu kommt die Taktik. Es braucht einen Kanal, der dir verlässlich neue Menschen bringt. Es braucht eine Warming-up-Phase, in der Menschen dich kennenlernen dürfen, in der du gibst und sie hineinschnuppern können. Und es braucht den richtigen Moment, sie ins Angebot einzuladen. Diese drei Säulen darfst du im Blick behalten – niemand entscheidet sich nach dem ersten Hallo für eine Zusammenarbeit.

Mit deinen Rhythmen arbeiten, statt gegen sie

Hier kommt etwas hinzu, das in der Business-Welt selten genannt wird: deine eigenen Zyklen. Als Frau bist du ein zyklisches Wesen, und je nach Phase ist mehr oder weniger Lust da, dich zu zeigen.

Rund um den Eisprung sind viele in ihrer vollen Kraft – sie fühlen sich gut, schaffen viel, gehen gern nach draußen. Während der Menstruation dagegen ist eher Rückzug angesagt. Das ist nicht die Zeit, in der du dich zur Sichtbarkeit zwingen solltest.

Das Schöne: Diese Rhythmen kannst du beeinflussen, indem du sie ernst nimmst. Ein Blick in den Kalender, und du planst deine Aktivitäten so, dass sie zu deiner Phase passen. Du arbeitest mit deiner Energie, statt gegen sie. Und dasselbe gilt für die Tagesform – wer gegen die Energie arbeitet, die gerade da ist, macht sich das Leben mühsam und bekommt schlechtere Ergebnisse.

Was wirklich hilft: Logbuch, Vorrat, Routine

Drei Dinge machen für mich konkret den Unterschied.

Das erste ist ein Marketing-Logbuch. Ich notiere, was ich getan habe – nach Kategorien wie Netzwerken, Podcast, Newsletter, Akquise, Website, Social – mit welchem Ziel, in welcher Energie, was dabei herauskam und was ich daraus lerne. Es geht weniger ums Nachschlagen als ums Bewusstmachen. Denn wir verwechseln oft die Aussaat mit der Ernte. Dazwischen liegt ein Reifungsprozess, den wir nicht sehen. Eine Pflanze gießen wir und vertrauen darauf, dass sie wächst – genauso wirkt dein Business oft in einer Tiefe, die keine Metrik abbildet.

Das zweite ist, auf Vorrat zu produzieren. Wenn du in guter Energie bist, mach gleich mehr und plane für die nächsten Wochen vor. Dann kannst du auch dann veröffentlichen, wenn dir gerade nicht danach ist – ohne dass die Qualität leidet.

Das dritte ist Rhythmus und Routine. Mein Podcast ist der Kanal, der verlässlich bespielt wird – da gibt es keine Verhandlung. Und genau das ist der Punkt: Eine etablierte Gewohnheit kostet keine Kraft mehr. Wir stehen morgens auf und putzen die Zähne, ohne mit uns zu diskutieren. Was wir unregelmäßig tun, verhandeln wir jedes Mal neu. Reserviere dir feste Tage für bestimmte Aufgaben – und mit der Zeit wird Sichtbarkeit zur Selbstverständlichkeit.

Und noch etwas habe ich für mich gelernt: Wenn eine Tätigkeit mir dauerhaft keinen Spaß macht und ich mich ständig überwinden muss, ist es nicht das Richtige für mich. Ich liebe den Podcast – deshalb ist er mein Kanal. Wähle das Format, das zu dir passt, und das Sichtbarsein verliert seinen Schrecken.

Wo arbeitest du gerade gegen deine eigene Energie – und was würde sich verändern, wenn dein Marketing dir Spaß machen würde?