Stil und Urnatur – was du trägst, spricht schon
Hundert Millisekunden – so lange braucht ein Mensch, um sich ein Bild von dir zu machen. Deine Haltung, deine Energie wirken unmittelbar, aber auch Kleidung, Stil, Formen und Farben. In diesem winzigen Zeitfenster entscheidet sich, ob wir jemanden als vertrauenswürdig, sympathisch, kompetent einordnen.
Und dann kommt der Satz, den viele Selbstständige über Kleidung, Farbe und Stil sagen: Das ist doch oberflächlich.
Bei mir im Interview war Anke Pachauer, Ayurveda Identity Coach und integrative Farb- und Typstylistin. Sie hält hier dagegen: „Sich selbst stimmig und echt auszudrücken – das kann gar nicht oberflächlich sein. Wer es dafür hält, ist nur im Außen unterwegs und übersieht, was es mit dem Innen macht.“
🎧 Hier die Podcast Episode zum Artikel hören: Spotify · Apple Podcasts · YouTube
Inhaltsverzeichnis
» Du kannst nicht nicht kommunizieren
» Farbe ist Frequenz – ganz physikalisch
» Die Elemente zeigen sich außen
» Unterstreichen oder ausgleichen?
» Ändere die Lautstärke, nicht das Lied
» Geschenk von Anke an meine Podcast Hörer:innen 💛
Du kannst nicht nicht kommunizieren
Jede Linie, die du trägst, ist ein Bruch, den das Auge registriert. Wo endet der Ärmel? Wo sitzt der Gürtel? Läuft die Kontur vertikal oder teilt sie? Wir nehmen das wahr, ob wir wollen oder nicht. Denn wir sind wache Wesen – im Kern noch immer instinktgeleitet. Diese Instinkte sind nicht verschwunden, nur verdeckt. Die Information wandert ins Unterbewusstsein, und das Unterbewusstsein tut etwas damit. Es kann gar nicht anders. Es sortiert.
Das heißt: Du kommunizierst lange bevor du sprichst. Die Frage ist nur, ob das, was ankommt, mit dem übereinstimmt, was du bist.
Denn Diskrepanz kostet. Wenn jemand dich sieht, sich ein Bild macht, und dann öffnest du den Mund und es passt nicht zusammen – dann entsteht ein Fragezeichen. Und Fragezeichen kosten Vertrauen. Für Menschen, die von Vertrauen leben – Coaches, Therapeutinnen, Beraterinnen – ist das keine Nebensache.
Farbe ist Frequenz – ganz physikalisch
Hier wird es interessant, weil es überhaupt nicht esoterisch werden muss, sagt Anke im Interview.
Licht schwingt in Wellen. Jede Farbe hat eine eigene Frequenz. Und unsere Sinnesorgane nehmen diese Frequenzen auf – über die Augen, über die Haut. Das ist Physik, kein Glaube.
Anke erzählt von der peripheren Wahrnehmung: Man sieht sich selbst ja nicht den ganzen Tag im Spiegel. Trotzdem kommt die Energie der Farbe bei uns an. Deshalb integriert sie eine Farbe, die sie innerlich braucht, notfalls auch dort, wo niemand sie sieht – in der Unterwäsche. Denn die Frequenz wirkt, auch ungesehen.
Und deshalb ist die morgendliche Kleiderwahl für sie ein Ritual: ein kurzer Moment des Hineinspürens. Wie geht es mir heute? Was brauche ich? Manchmal ist die Antwort Schwarz – für Anke ein Gefäß, in dem ihre ganze innere Welt gut gehalten ist. Eine dichte Farbe, die Ruhe gibt, die nicht nach außen schreit. An anderen Tagen wird es ganz hell, wenn sie sich öffnen und ausdehnen will. Das ist keine Eitelkeit – das ist Selbstfürsorge.
Die Elemente zeigen sich außen
Anke arbeitete lange intuitiv mit Farbe und Stil. Erst durch den Ayurveda hat sie verstanden, was sie da eigentlich tut – und gemerkt: Das war eigentlich schon immer ayurvedisch.
Die meisten von uns steigen über die Doshas ein. Vata, Pitta, Kapha. Wir sortieren uns erst in eine Schublade – und merken bald, dass wir alle fünf Elemente in uns tragen. Manche präsenter, manche leiser.
Geht man tiefer, kommt man zu den Gunas: den Eigenschaften der Elemente. Scharf. Heiß. Leicht. Weich. Dicht. Und genau hier entsteht die Brücke. Denn diese Eigenschaften haben eine Entsprechung in der Welt der Materialien und Formen. Eine Spitze ist ein Signal – so wie Spitzen in der Natur immer Signale sind. Leder spricht anders als Strick. Eine scharfe Kante anders als eine weiche Rundung. Rot ist immer ein Signal.
Bei einer Frau mit viel Pitta in der Urnatur sieht Anke die Schärfe – etwa in der klaren Zeichnung des Lippenrandes. Aber sie schaut immer individuell. Denn Pitta kann auch mehr im Inneren sitzen, im Geist, während außen ganz andere Elemente mitgegeben sind. Dann wäre es unstimmig, nur auf die Schärfe zu setzen.
Deine Urnatur ist keine Schublade. Sie ist eine Zusammensetzung.
Unterstreichen oder ausgleichen?
Der erste Schritt bei Anke ist immer: unterstreichen, was da ist.
Was hat die Natur dir schon mitgegeben – an Färbung, an Form, an Struktur? Und wie unterstützt man das so, dass der Blick des Gegenübers dorthin geht, wo Begegnung entsteht: ins Gesicht. Nicht auf die Füße, nicht auf die Kleidung. Ins Gesicht. Denn dort sehen wir einander. Wenn die Farben stimmen, weichen die Schatten, die Augen bekommen Glanz, die Haut wirkt lebendiger.
Anke ist eine große Verfechterin davon, das Gegebene groß zu machen. Weil genau darin unsere Individualität liegt – und weil das, was gestärkt wird, nach innen zurückstrahlt. Es nährt unsere Stärken. Es macht selbstbewusst.
Und dann, als zweite Ebene, kommt der Ausgleich – das Prinzip, das jeder aus dem Ayurveda kennt. Wo setze ich einen Gegenpol? Wo fehlt gerade etwas? Fordernde Lebensphasen gehen an die Substanz. Dann kann es sein, dass ein Aspekt in dir ans Licht will. Und der knallrote Pullover ist keine Laune, sondern eine Antwort.
Ändere die Lautstärke, nicht das Lied
Die schönste Frage der ganzen Episode: Wie viel Unterschied braucht es zwischen Business und Privat?
Ankes Antwort ist eine Metapher, die alles auf den Punkt bringt: Ich verändere nicht das Lied. Ich verändere die Lautstärke.
Wenn du einmal weißt, welche Farbtemperatur, welcher Lichtwert, welche Intensität, welche Materialstärke, welche Zeitachse zu dir gehören – dann hast du kein Regelwerk, sondern ein Rezept. Ein Lied. Du gehst in einen Laden, scannst die Auslage und weißt: Das könnte funktionieren, das nicht. Und je nach Kontext spielst du dein Lied lauter oder leiser.
An manchen Tagen gibst du Gas – dann kommt die zweite Kette dazu. An anderen reicht der eine Ring, oder einfach das Tanktop. Aber du verkleidest dich nie. Du wirst nicht jemand anderes. Für Selbstständige ist das eine enorme Entlastung: kein Business-Ich und Privat-Ich, kein zweiter Kleiderschrank. Ein Mensch, in unterschiedlicher Lautstärke.
Und genau das meine ich in meiner Arbeit, wenn ich sage: Wirkliches Wachstum beginnt innen. Deine Sichtbarkeit im Business muss keine Rolle sein. Sie darf Ausdruck sein.
Schönheit jenseits des Vergleichs
Was macht einen Menschen eigentlich schön?
Anke sagt: dass er sich annimmt. Dass er nicht kopiert. Dass er nicht im Mangel unterwegs ist. Denn wer mit sich hadert, ist mit sich beschäftigt. Wer mit sich beschäftigt ist, kann nicht wirklich beim Gegenüber sein. Und wir alle spüren, ob jemand bei uns ist – ob uns jemand wirklich ansieht.
Was wir dann als Schönheit wahrnehmen, ist gar keine Ebenmäßigkeit. Es ist Stimmigkeit. Ein Mensch, der klar und reduziert auftritt – und dann klare Worte spricht. Ein Mensch, der bunt und wild unterwegs ist – und wilde, bunte Geschichten zu erzählen hat. Beides ist schön. Weil beides echt ist.
Denn im Grunde vermitteln wir über unseren Ausdruck immer ein Lebensgefühl. Und am schönsten wird es dort, wo wir den Vergleich verlassen: wer die längeren Beine hat, das ebenmäßigere Gesicht, die volleren Haare. Da kommen wir gar nicht erst hin. Wir kommen woanders an – bei uns.
Tauche tiefer ein – Geschenk von Anke an meine Podcast Hörer:innen! 💛
Anke Pachauer gibt an fünf Hörerinnen und Hörer dieser Folge je eine Stunde persönliche Stil-Erfahrung – online und individuell, auf Basis deiner eigenen Elemente: ankepachauer.de/event/stil-check €79 statt €130 – nur fünf Plätze!






